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Warum reisen die Welt verbessert

Durch Terroranschläge, Unruhen und Reisewarnungen spricht derzeit Vieles gegen eine Reise. Einige bevorzugen es, sich in diesen Zeiten lieber eine Dauerkarte fürs Freibad anzuschaffen und kaufen sich für einen schönen, ausgedehnten Faulenzerurlaub auf Balkonien neue Sitzpolster. Obwohl Zeit und das nötige Budget vorhanden, bleiben wir aus Angst vor der potenziell lauernden Gefahr in der Fremde lieber im trauten Heim.

Was bedeutet überhaupt „fremd sein“ oder „das Fremde“? Fremd ist letztendlich keine Eigenschaft von etwas oder jemanden. Vielmehr spiegelt es individuelle Empfindungen der Distanz zwischen dem Vertrauten und dem Neuen. Wie der deutsche Philosoph Stephan Thome sagte:

 „Zu Hause sind andere die Fremden, unterwegs sind wir es selbst.“

Wieso sollte man auch irgendwohin reisen, wo man weder die Sprache spricht, kein stabiles Internet hat, niemanden kennt und vom Essen unangenehme Bauchkrämpfe oder Schlimmeres erwarten könnte? Die Antwort ist einfach: Um zu wachsen. Am besten über sich selbst hinaus.Warum reisen die Welt verbessert

In der Fremde sind wir gezwungen, unsere Vorurteile über den Haufen zu  werfen. Um weiterzukommen, müssen wir uns mit Händen und Füßen verständigen. Aufgrund wachsenden Hungers und schrumpfenden Budgets probieren wir schließlich doch das Undefinierbare dort auf dem Grill am Straßenrand und stellen fest, dass man nie etwas Besseres gegessen hat. Indem wir uns auf den Kontakt mit Einheimischen und der landestypischen Kultur einlassen, lösen sich manifestierte Stereotypen und Vorurteile auf. Meist treffen Reisende auf unglaublich gastfreundliche und hilfsbereite Locals, die mit einem breiten Lächeln auf den Lippen geduldig den Weg zur Bushaltestelle erklären oder gemeinsam das Familienbrotrezept backen wollen. Es ist keine Seltenheit von einem marokkanischen Teppichhändler auf einen süßen Minztee eingeladen zu werden  und über Politik zu sprechen oder mit Reisfeldarbeiterinnen selbstgebackene Bananen zu essen, die über den Reisanbau in Indonesien berichten. Dieses Wissen und diese tiefen Einblicke in Gesellschaften vermitteln keine Schulbücher, Reportagen oder noch so toll geschriebene Zeitungsartikel. Sehen heißt verstehen. Und wir verstehen die Welt nicht, indem wir sie auf Bildern betrachten und bloße Texte über sie studieren.

Wie oft wurde der Umweltschutz bereits diskutiert. Wirst du langsam müde von den ständigen Debatten über Klimawandel und erneuerbare Energien? Geht dir die Mülltrennung ziemlich auf den Keks und findest du es total übertrieben, deine Bananenschale nicht einfach vom Boot ins Meer zu schmeißen? Immerhin „kommt es aus der Natur.“ All diese Glaubenssätze lösen sich fast magisch auf, sobald man eine Meerenge sieht, die sich durch den ansteigenden Meeresspiegel um ein Drittel verkleinert hat. Oder wenn man beim Tauchen auf eine Schildkröte trifft, in deren Auge ein Deckel von einem Kugelschreiber eingewachsen ist, von dem sie sich nie selbstständig befreien konnte. Eine Reise zeigt uns neue Landschaften, mit eigener Flora und Fauna. Wir entwickeln einen Bezug zu der neuen Welt, die wir ganz natürlich beschützen möchten. Über Nacht werden wir uns der Vielfältigkeit und der Zerbrechlichkeit dieser Erde bewusst. Dies transformiert uns zu ihrem persönlichen Bodyguard.

Durch die günstigen Flüge und Lebenshaltungskosten bieten sich insbesondere Länder wie Indien oder ganz Südostasien für die ersten Fernreiseerfahrungen und Backpackingtrips an. Ist es für uns als Europäer*innen besonders günstig in einem fremden Land zu reisen und es sich gut gehen zu lassen, dann liegt das am niedrigen Lohnniveau der Menschen vor Ort, der eingeschränkten Kaufkraft und teilweise stagnierender Wirtschaft, sowie Korruption. Nur weil beispielsweise Avocados im Land wachsen, bedeutet es nicht zwanghaft, dass sie auch super günstig sind (siehe Australien). Diesem Aspekt muss man sich bewusst werden, da dieser die Erklärung für manchmal aufdringliches Verhalten auf Märkten ist oder auch Grund für bloßes Anstarren im Bus. Doch blickt man einmal hinter dieses Verhalten, sieht man Menschen, die glücklich in Hinterhöfen zusammen sitzen, jahrhundertealte Spiele spielen und uns trotz eigener Knappheit zum Abendessen einladen würden. Ich behaupte nicht, dass diese Menschen immer ein erfreutes und problemfreies Leben führen. Jedoch zeigen sie, wie wenig es braucht, um Momente zu genießen und einfach die positiven Seiten des Lebens überwiegen zu lassen. Sie regen an, eigene Prioritäten zu überdenken.  Denn alles, was man wirklich im Leben benötigt, passt letztendlich in einen Rucksack und in deinen Kopf. Frische Unterwäsche, eine Zahnbürste und ein positives Mindset.

Hostel BaliReisen macht geselliger und gleichzeitig lernt man, dass man sich selbst genügt. Wie passt das nun zusammen? Egal wie introvertiert man ist, in Hostels trifft man zwanghaft auf andere Reisende; ob in der Küche, beim Spülen oder im Schlafsaal. Man wird merken, was für interessante Geschichten der ein oder die andere zu erzählen hat und irgendwann hat man selbst auch Geschichten zu erzählen. Hemmungen fallen, da alle zumindest eins gemeinsam haben: Sie haben ihr Leben in eine Tasche gepackt und sind unterwegs. Nie wieder wird es so einfach sein, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, als mit Leuten, die auf der Reise sind. Nie wieder wird man so schnell Freundschaften knüpfen, tiefe Gespräche führen und sich wieder verabschieden, wie mit billigem Wein in der Hostellobby. Gleichzeitig gewinnt die Zeit, die alleine verbracht wird, wieder an größerer Bedeutung. Man beginnt, seine eigene Gesellschaft zu schätzen und genießt es, mit seinem Körper im Einklang zu sein, den Geist zur Ruhe zu bringen und stundenlang einfach geradeaus zu laufen.

Du glaubst, der „Wunsch nach Weltfrieden“ ist unerfüllbar und wird für immer ein festgesetzter Traum einiger Hippies sein, die zu viel Marihuana konsumiert haben? Dann verbring nur einige Nächte in einem gut gebuchten Hostel. Es wird zum Schmelztiegel der Kulturen. Wo schlafen sonst unterschiedliche Nationalitäten, Religionen, Geschlechter und Altersgruppen in einem 12-Betten-Schlafsaal auf engstem Raum friedlich gemeinsam ein? In der Politik ist „Frieden“ ein Wirtschaftsgut, welches unter hunderten von Konditionen und Auflagen verhandelt wird. In der Realität ist „Frieden“ jedoch ein natürlicher Zustand, den wir als Reisende in seiner Urform erleben können.

Eine einzige Reise kann uns beibringen, wie man auf Menschen zugeht, wie man sich nur mit einem Lächeln verständigt und seine eigene Gesellschaft genießt. Wir verbessern Sprachkenntnisse oder lernen neue Sprachen dazu, wir gehen bewusster mit unserem Budget um und erwerben andere Fähigkeiten, wie das Kochen von neuen Gerichten. Reisen lehrt uns, fremde Welten zu schätzen und weckt das Umweltbewusstsein in uns. Gleichzeitig bekommen wir einen intimen Einblick in andere Gesellschaften, die mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben und über die wir sonst nur in den Nachrichten hören. Wir vergessen Stereotype und Vorurteile, lösen Glaubenssätze auf, überdenken unsere Prioritäten und erleben den „Prototyp Frieden“.

Wenn wir selbst bessere Menschen aus den Tiefen unserer Seele werden, dann kann auch die Welt ein besserer Ort für alle sein. Denn

 „die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“ (Alexander von Humboldt).

travel. eat. repeat.

3 Kommentare zu „Warum reisen die Welt verbessert

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