Israel/Palästina

Jerusalem für Ungläubige

Jerusalem mit all den Mythen und Konflikten ist eine der heiligsten Stätte der  Juden, Muslimen und Christen. Jede auch noch so kleine Konfession ist hier vertreten. Geschichtlich, politisch, kulturell, spirituell, religiös und kulinarisch: Es ist einfach SO spannend hier.

Schaut man jedoch in Reiseführer oder auch auf diverse Reiseblogs, steht bei vielen doch eher der Besuch der religiösen Stätten im Mittelpunkt. Auch viele Backpacker treibt die Motivation nach Jerusalem, endlich das in der Bibel geschriebene Wort „live“ zu erleben.

Gehörst du aber nun zu denjenigen, die keine Lust haben, von Grabes- zur Geburtskirche zu pilgern und schon allein die Vorstellung einer Taufe im dreckigen Wasser des Jordans lässt Herpes bei dir wachsen? Dann geht es dir so wie mir! Ich bin vor allem aufgrund meines politischen Interesses nach Jerusalem gekommen und mich haben die ganzen religiösen Sehenswürdigkeiten nicht wirklich gereizt. Deshalb habe ich mir Gedanken dazu gemacht, welche Dinge man in Jerusalem unbedingt tun sollte und was es Unglaubliches zu sehen gibt, auch wenn der letzte Besuch einer Messe bereits ein paar Weihnachten zurück liegt.

Die Altstadt

Die „Old City“ von Jerusalem ist ein absolutes Muss für jede Reise ins holy land, denn sie hat ihren ganz eigenen Charme. Die Altstadt ist in vier verschiedene Bereiche aufgeteilt: Das arabische, christliche, jüdische und armenische Viertel. Jede Zone hat ihren eigenen „Stil“, was sich in Gebäuden, Sauberkeit, Souvenirshops, Sehenswürdigkeiten und dem Flair zu erkennen gibt. Während im arabischen Viertel trubeliges Marktgeschehen herrscht, ist es im armenischen Viertel teilweise gespenstig ruhig. Am besten macht man sich erst mal einen Überblick und zwar im wahrsten Sinne des Wortes:

Blick vom österreichischen Hospiz über Jerusalem
Blick über die Altstadt (österreichisches Hospiz)

über den Dächern der Stadt

Das österreichische Hospiz war eines der ersten Herbergen für Pilger*innen. Heute bietet es auch Schlafgelegenheiten an, ist aber vor allem für sein Wiener Kaffeehaus mit herrlichem Apfelstrudel und der Dachterrasse bekannt, auf die man für 5 NIS (ca. 1,20 €) hochgehen kann. Von dort hat man einen traumhaften Blick über die gesamte Altstadt und kann sich das Treiben ein wenig aus der Ferne ansehen. Das österreichische Hospiz liegt im arabischen Viertel und ist vom Damaskustor (immer links halten) innerhalb von fünf Minuten zu erreichen.

Palästinensische Herzlichkeit bei Al-Muftis

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt läuft man dann ganz entspannt die großen Sehenswürdigkeiten ab. Vom Österreichischen Hospiz einfach links weiterlaufen und der „Via Dolorosa“ folgen. Diese biegt an der fünften Station nach rechts ab und es geht eine kleine Gasse hinauf. Ungefähr auf der Hälfte liegt ein schönes

Sahlep bei "Al Muftis" - Café und Espresso Bar
Mein absolutes Lieblingsgetränk! Sahlep ❤

Café: Al Muftis Espresso Bar. Hier habe ich mich regelmäßig durch die Kaffeesorten und verschiedene Gebäcke probiert. Der Besitzer und sein Sohn sorgen für eine unglaublich herzliche Atmosphäre. Bei einem gemütlichen arabischen Kaffee kann man verschiedene Pilgergruppen beobachten, die den Kreuzgang mit einem hölzernen Kreuz ablaufen, dabei singen und beten.

Mit einem ordentlichen Koffein- und Zuckerflash geht es dann weiter Richtung Grabeskirche (immer der Beschilderung nach) ins christliche Viertel. Achte auf die Souvenirshops, wo es nun statt Hamsa Hände Jesuskreuze zu kaufen gibt.

Die rätselhafte Leiter an der Grabeskirche

In der Grabeskirche ist das Grab Jesu zu finden. Drumherum stehen Scharen von Touristen, die alle unbedingt den Grabstein anfassen wollen. Falls du das auch möchtest, dann hier ein

Grabeskirche Jerusalem
Eingang der Grabeskirche. Die rätselhafte Leiter seht angelehnt an das rechte Fenster.

 kleiner Tipp für Dich: Auf der Hinterseite des Grabes ist eine kleine koptische Kapelle. Dort ist unter dem Altar ein kleines Fenster, wo man das Grab berühren kann. Hier ist kaum etwas los, da die meisten Pilger*innen katholisch sind. Aber letztendlich geht es ja nur um das Anfassen des Steines. Spar dir also die lange Wartezeit 😉 Vor der Grabeskirche sollte ein Foto der Leiter auf deiner To-Do Liste stehen. Niemand weiß genau, wer die Leiter dort wann hingestellt hat und da sich die einzelnen christlichen Konfessionen generell über nichts einig sind, muss die Leiter dort nun stehen bleiben. Sie könnte ja von einem Heiligen berührt worden sein. Hier gibt’s einen Artikel über die Grabeskirche und die Leiter selbst.

Nach der Grabeskirche schlendert man weiter Richtung jüdisches Viertel. Falls du Gewürze kaufen möchtest, dann mach das auf keinen Fall bei den großen Läden, die mit ihren Bergen aus Zatar die Touristen anlocken. Am günstigsten bekommt man Gewürze in kleinen Eckläden, wo diese in Säcken aufbewahrt werden. Für 100g Zimt/Kurkuma/Zatar oder welches Gewürz auch immer zahlt man hier nur 5 NIS, wohingegen man in den großen Läden locker 20 NIS zahlt.

Kontrastprogramm im jüdischen Viertel

Das jüdische Viertel ist ganz anders als das arabische oder christliche. Den Unterschied wirst du direkt spüren. Hier kommst du auch zur Klagemauer, wo du ein Zettelchen mit deinen Gebeten/Wünschen drauf in die Mauer stecken kannst. Von hier erreichst du übrigens auch den Tempelberg mit der wunderschönen blauen Moschee. Hierfür aber auf jeden Fall vorher Eintrittszeiten checken, die sich manchmal sehr beliebig verändern.

Klagemauer Jerusalem
Die Klagemauer

Nach diesem Stadtspaziergang hast du die Hauptsehenswürdigkeiten der Altstadt abgeklappert und bist gemütlich durch den Souk gebummelt. Du könntest nun auf die Stadtmauer gehen und  auf der Mauer herumlaufen. Oder du läufst Richtung King David Tomb und schaust dir dort auch noch den Raum des angeblich letzten Abendmahls an. Dort auf dem Dach hat man auch eine schöne Aussicht über Jerusalem und kann bei guten Lichtverhältnissen sogar bis nach Jordanien schauen.

Ich finde, dass es in der Altstadt vor allem darum geht, die verschiedenen Eindrücke schwammartig in sich aufzusaugen. Die Kontraste bewusst wahrzunehmen und über die Vielseitigkeit zu staunen. Stress dich nicht von einem religiösen Denkmal zum nächsten!

Ist die Altstadt abgeklappert, dann sorgen folgende Dinge für weitere Highlights und WOW-Momente:

Blick vom Ölberg auf Jerusalem
Wunderschöner Blick vom Ölberg auf Jerusalem inklusive Golden Gate.

Der Ölberg / Mount of Olives

Durch das Lionsgate hindurch und rechts halten, kommt man geradewegs auf den Ölberg, welcher wegen der super alten Olivenbäume auch „Mount of Olives“ genannt wird. Man sieht den alten jüdischen Friedhof, bei dem jedes Grab irgendwie gleich aussieht. Es gibt zwei verschiedene Aussichtspunkte. Entweder „ganz oben“ oder man spart sich das letzte Stück und biegt links auf den christlichen Friedhof ab, wo auch eine kleine russisch-orthodoxe Kapelle steht. Hier gibt es schöne schattige Sitzgelegenheiten und man kann ganz ohne Geländerstäbe im Hintergrund Fotos schießen. Vom Ölberg hat man außerdem beste Sicht auf das „Golden Gate“ durch welches der Sage nach der Messias in die Stadt zurückkehren soll und deshalb von einem arabischen Sultan im Mittelalter zugemauert wurde.

Mea Shearim Jerusalem: Ultra-orthodoxes jüdisches Stadtviertel
Kleiderordnung beachten!

Mea Shearim

Mea Shearim ist ein ultra-orthodoxes jüdisches Viertel außerhalb der Altstadt in Jerusalem. Es gibt keine großartigen Sehenswürdigkeiten hier; ein Besuch des Viertels sollte aber dennoch auf der Bucketlist für Jerusalem stehen. Man erlebt hier eine Welt, die scheinbar vor xxx Jahren stehen geblieben ist. Statt der Tagesschau dienen Plakatwände an den Straßen zur Verbreitung von Nachrichten. Die Menschen sind alle in ihren traditionellen Klamotten gekleidet (Männer mit schwarzem Anzug und Hut, Frauen mit Rock und weiter Bluse). Es gibt kleine jüdische Geschäfte, Bäckereien und einfach ein ganz anderes Leben, als man es erst in der Altstadt kennengelernt hat.

Wer dieses Viertel besucht, sollte auf JEDEN Fall auf angemessene Kleidung achten. Vom Besuch innerhalb einer großen Gruppe rate ich ganz ab. Zu zweit oder zu dritt ist eine gute Zahl.

Angemessene Kleidung bedeutet: Männer tragen lange Hosen und ein langes Hemd (am besten schwarz). Auch eine Kopfbedeckung sollten die Männer tragen (einfach eine der kleinen Mützchen auf dem Markt kaufen). Frauen dürfen keine Hosen tragen, sondern einen weiten Rock, der mindestens die Knie bedeckt, keine nackten Beine (Strumphosen) und eine weite, langärmlige Bluse, die keine Körperformen oder Haut zeigt. Die Haare müssen nicht zwanghaft bedeckt werden, da unverheiratete Jüdinnen meist kein Tuch oder Perücke tragen.

Achtung: An Shabat (Freitagnachmittag bis Sonntagabend) sollte man nichts offensichtlich tragen (z. B. einen Rucksack). Außerdem sich nicht mit Handys, Fotoapparaten oder anderen elektronischen Dingen sehen lassen. Das zieht unangenehme Aufmerksamkeit auf dich, was auf jeden Fall zu vermeiden ist.

Regenschirmstraße Jerusalem. Ein Stadtplanungsprojekt.
Die Regenschirmstraße mit Regenbogenregenschirmen.

Die Regenschirmstraße

Ich liebe einfach die Fotos mit den bunten Regenschirmen drauf! Diese Straße ist durch ein Projekt einer Universität entstanden, die sich mit „Schattenplanung in Städten“ beschäftigte. Sie fragten sich also, wie sie in einer Großstadt am besten schattige Plätzchen schaffen können, damit die Sonne in den heißen Monaten nicht so knallt. Dadurch ist unter anderem diese schöne, fotogene Straße entstanden. Die Straße findet ihr in der Neustadt bei der Station „City Hall“. Ein weiteres Erzeugnis dieses Projektes findet ihr an der Tramstation „Machane Yehuda“. Eine Art „orangener Baum“ kann aufgespannt werden, sodass er Schatten spendet. Nicht wirklich hübsch, aber soll ja der Sache dienlich sein….

Wenn wir gerade von dem Machane Yehuda sprechen: ein absolutes MUST DO.

Schlemmen bei „Machane Yehuda“

Machane Yehuda steht für: jüdischer Markt. Es ist eine unglaublich große Markthalle mit verschiedenen Ständen. Von Obst, Gemüse, über Baklava, leckere Tee- und Gewürzsorten und einfache Bars und Cafés kann man hier alles finden. Donnerstagabends steppt hier der Bär und abends kann man generell sehr günstig Obst und Gemüse einkaufen. Bei Gewürzen, Tee und Nüssen wäre ich hinsichtlich des Preises allerdings achtsam. Meiner Erfahrung nach sind diese Dinge in der Altstadt um einiges günstiger.

Tahini-Cakes
Tahinikuchen so weit das Auge reicht.

Probiert aber auf jeden Fall diese „Tahini Kuchen“ (meine eigene Bezeichung, da ich den Namen leider nicht kenne). Es ist eine süße, feste Masse, welche aus Tahini gemacht ist. Gibt es in verschiedenen Geschmäckern. Total lecker!

The World Holocaust Center  – Yad Vashem

Anfangs wollte ich dort nicht hin. Jahrelanger Geschichtsunterricht und die Übersättigung von Holocaustmuseen, Denkmälern usw. haben dazu geführt, dass ich ehrlicherweise keine Notwendigkeit mehr darin sah, ein weiteres Museum in Israel über den Holocaust zu besichtigen. Allerdings war es ein Besuch absolut wert! Der Eintritt ist zudem frei und falls es mal regnen sollte, ist das definitiv eine Alternative. Für die Besichtung der „wichtigsten“ Plätze im Museum kann man locker drei Stunden einplanen.

The World Holocaust Center Jerusalem
Kalt. Windig. Grau. Yad Vashim.

Ein unglaublich großes Areal beschreibt den Holocaust aus jüdischer Perspektive. Videos von Zeitzeugen wurden eingebaut, die mir teilweise den Atem geraubt haben. Auch andere Filmaufnahmen brachten mich den Tränen nahe. Neben dem Hauptgebäude gibt es außerdem Kunstgallerien und ein riesiges Denkmal für die ermordeten Kinder, deren Namen, Alter und Herkunft vorgelesen werden. Gänsehaut garantiert.

In Jerusalem gibt es einfach unglaublich viel tolle Dinge zu sehen und ich habe nun nur meine persönlichen Highlights aufgelistet. Nicht zu vergessen sind auch die tollen Museen und Gallerien, welche oftmals ohne Eintrittsgelder besichtigt werden können.

Warst du selbst schon in Jerusalem und du findest, ich habe etwas vergessen? Dann ab damit in die Kommentare! Ansonsten freue ich mich über Fotos und Feedback!

Bis bald! 🙂

 

2 Kommentare zu „Jerusalem für Ungläubige

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