#delicious weekend

#delicious weekend VOL. 2

Durch die israelische Arbeitswoche ist euer Sonntag mein Samstag, deshalb gibt es die zweite Ausgabe unseres neuen Formates „the delicious weekend“ schon heute. Was ist überhaupt so neu an diesem Format und wieso erwähne ich das? Neu ist, dass wir uns vor Veröffentlichung nicht über das Thema des Textes absprechen, dass wir nicht hundert Mal Korrekturlesen und/oder nachträglich etwas großartig abändern. Wir schreiben einfach so, wie es aus unserem Kopf heraussprudelt. Ohne spezielles Thema oder roten Faden.

Seit ein paar Wochen platzt mir tatsächlich fast der Kopf, da so unglaublich viele verschiedene Dinge gerade passieren, die ich versuche auf imaginären Pinnwänden zu organisieren. Es gelingt mir aber ehrlich gesagt eher weniger. Meine Mutter war nun für knappe neun Tage bei mir in Israel zu Besuch und wir haben unglaublich viel unternommen (schaut mal in der Israel/Palästina Kategorie dazu vorbei). Die Zeit war cool, da ich so viel vom Land gesehen habe, aber auch super anstrengend. Ich reise anders als meine Mutter reist und wie das nach einigen Tagen so ist, ist man eventuell auch gereizter bzw. es herrscht eine seltsame Stimmung. Mich hat das zum Ende hin sehr gestresst. Ich mag keine passiv aggressiven Vibes um mich herum haben, da ich selbst ziemlich schlecht damit umgehen kann. Aber es ging letztendlich alles gut, wir hatten Spaß und es sind bleibende Erinnerungen entstanden.

Dieser kurze Urlaub von meinem Praktikumsalltag in Israel hat mir allerdings auch (wieder einmal) gezeigt, wie schnell hier die Zeit generell vergeht. In weniger als drei Wochen ist meine Zeit in Israel vorbei und ich komme zurück nach Deutschland. Ich beginne also im Kopf zu reflektieren: Habe ich das erreicht, was ich hier erreichen wollte? Habe ich alles gesehen/gemacht, was auf meiner Bucketlist stand? Habe ich mich persönlich weiter entwickelt? Je nachdem, wie kritisch ich an dem Tag mit mir bin, fallen die Antworten dann mehr oder weniger stark frustrierend aus. Nun bin ich wieder an einem Punkt, an dem ich in diesem Jahr schon ein paar Mal stand: Ich habe mich irgendwo eingelebt, einen Alltag, einen Freundeskreis und ein Lieblingscafé gefunden, in dem der Flat White mit double shot Espresso und Mandelmilch bereits automatisch an meinen Tisch kommt und dann? Dann packe ich mein ganzes Leben wieder in einen Koffer und hau ab. Jedes Mal trenne ich mich dabei von einem neuen Zuhause und von neuen Freunden, die mich in ihren Kreis aufgenommen und mir ihr Leben anvertraut haben. Irgendwie habe ich das satt. Denn zur gleichen Zeit, in der ich mir in einem neuen Land ein soziales Leben aufbaue, so verliere ich circa 80% des sozialen Lebens, welches ich vor Abflug in Berlin hatte. Von meinen anfänglichen Studienfreund*innen sind genau zwei übrig, von Schulfreund*innen brauchen wir gar nicht anfangen, zu sprechen. Selbst zu meiner Familie habe ich nicht mehr den gleichen emotionalen Draht. Sie sind es mittlerweile schon gewöhnt, dass ich ständig wieder abreise. Ob ich nun nach Australien fliege oder einfach „nur“ zurück nach Berlin macht schon kein Unterschied mehr, weg bin ich sowieso. Jedoch verändert sich für mich jedes Mal alles. Für mich macht es einen Unterschied, ob ich nach Berlin zurückkehre oder einen solo Backpackingtrip durch Australien mache. Es ist einfach etwas anderes.

Letztes Jahr war ich kurz vor Weihnachten mit einem Kommilitonen und mittlerweile sehr gutem Freund in Frankfurt unterwegs. Erst schauten wir uns eine Ausstellung im Museum an und aßen später Falafel. Er fragte mich, was ich ihm wohl erzählen werde, wenn wir uns in genau einem Jahr wieder hier träfen. Damals schien es mir absurd, darüber nachzudenken und ich faselte irgendetwas von „Ich werde tolle Menschen getroffen haben und Arabisch sprechen können“. Nun steht dieses Wiedertreffen kurz bevor und ich überlege, inwiefern meine Erwartungen an 2017 mit dem tatsächlichen IST-Zustand übereinstimmen.

Für viele ist die jetzige Zeit, kurz vor Weihnachten, eine besinnliche Zeit voller Kerzen, Geschenkestress und Glühweinkater. Man trifft sich mit Freund*innen, um über den Weihnachtsmarkt zu schlendern und druckt sich von Pinterest die wildesten selfmade Weihnachtsgeschenkideen aus. Bei mir ist das dieses Mal irgendwie alles anders und gerade der letzte Monat des ohnehin schon anstrengenden Jahres fordert nochmal meine gesamte Energie. Damit ich im Studium nicht zurückfalle, belege ich von Israel aus drei Veranstaltungen. Neben meinem Vollzeitpraktikum muss ich deshalb Skripte erarbeiten, Artikel lesen und mich in irgendwelche Statistiken einlesen, damit ich alles im Februar bei einer unglaublich fairen e-Klausur wieder auskotzen kann. Außerdem habe ich in zwei Wochen eine Deadline für eine Hausarbeit, an der ich gerade wild herum schreibe.  Mein Alltag sieht hier deshalb derzeit so aus: 5 Uhr aufstehen und Unisachen, 8 Uhr ins Büro wo ich um 17 Uhr fertig bin. Danach habe ich Arabisch und komme um 20 Uhr nach Hause. Essen kochen, etwas lesen und zwischen 22 und 23 Uhr geht es dann wieder ins Bett. Zum Essen am Abend treffe ich mich mittlerweile auch häufig mit meinen Freunden, die direkt gegenüber wohnen, so habe ich immerhin ein wenig sozialen Kontakt.

Es soll nun nicht nach zu viel „mimimi“ klingen, immerhin habe ich mir das alles selbst ausgesucht. Aber in meinem Kopf ist deshalb gerade harter Stress und ich fühle mich wie im Supermarkt, wenn ich kein Eurostück für einen Einkaufswagen habe und all meine Artikel tetrisartig im Arm tragen muss. Sollte nur eines verrutschen, fällt alles herunter.

Ich wünsche Euch einen schönen Start in den letzten Monat des Jahres und eine besinnliche Weihnachtszeit. Alle, die auch irgendwie im Abschlussstress sind: Lasst euch nicht unterkriegen. Einfach immer weiter! Schreibt mir in die Kommentare, wenn ihr irgendwelche richtig guten Tipps habt, die das Platzen des Kopfes verhindern und diese Nervösität aus euch heraustreiben, die man verspürt, wenn man vor lauter Arbeit den Schreibtisch nicht mehr sieht.

Bis bald 🙂

2 Kommentare zu „#delicious weekend VOL. 2

  1. Du schreibst tatsächlich schön, sogar wenn Du direkt aufschreibst, was Dir im Kopf rumschwirrt!
    Ich glaube, wir alle kennen (bis zu einem gewissen Maße) das Gefühl, bei dem wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Der Vergleich mit dem Einkaufen im Supermarkt ohne Einkaufswagen ist da in jedem Fall sehr treffend. Jedoch in Selbstmitleid zu versinken bringt uns definitiv nicht weiter! Also aufstehen und kämpfen, so wie Du es machst!
    Den Verlust deines Freundeskreis, den du geschildert hast, kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Ich glaube, dass jeder, der da mal durch musste, diesen schmerzhaften Verlust kennt. Ich persönlich vergleiche das immer mit einer Zugfahrt (für unser Leben stehend), bei der einige einsteigen und andere wieder aussteigen, aber nur wenige bis zur Endstation mitfahren…

    Danke für deine kleinen Bereicherungen und den Einblick in dein Leben und deine Gedankenwelt, die Du uns mit deinem Blog gibst.

    Dein Bestie Elias ❤

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s