Israel/Palästina

Ein perfekter Tag in Bethlehem.

Bethlehem ist für alle irgendwie ein Begriff. Zumindest erinnern wir uns aus dem Religionsunterricht an die Geschichte von Maria und Joseph im Stall und vielleicht können wir auch das Weihnachtslied “Stern über Bethlehem” noch mitträllern. Viele Pilger*innen besuchen Bethlehem meist nur aus einem Grund: die Geburtskirche. An dem Ort, an dem einst das kleine Jesuskind im Stall geboren wurde, steht nun ein Kirchenkomplex, der laut Wikipedia zu den “wenigen Beispielen vollkommen erhaltener frühchristlicher Kirchenbauten” gehört.

Allerdings ist Bethlehem tatsächlich mehr Zeit wert, als sich von einem Touristenbus an der Kirche ausspucken zu lassen und dann nach einem Gebet wieder nach Jerusalem zurückzufahren. Was ihr dort so machen könnt und was für mich der perfekte Tag in Bethlehem ist, das erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Stars & Bucks in Bethlehem
Keine Scheu vor Plagiaten: Das Stars & Bucks Café ist eine Cafékette in Palästina.

Kurz ein paar Fakten zu Bethlehem: Die Stadt hat ca. 30.000 Einwohner und liegt nur 6 km von Jerusalem entfernt. Allerdings muss man die Grenze überqueren, wenn man Bethlehem besuchen möchte, da die Stadt Teil der palästinensischen Autonomiebehörde ist. Die West Bank wird von Israel mit einer 810 km langen Mauer abgetrennt, die ungefähr dreimal so hoch ist wie die Mauer, die einst Ost- von West-Berlin trennte. Die Grenzüberquerung ist jedoch total unkompliziert. Einfach den Reisepass und das israelische Visum dabei haben, damit bei der Heimfahrt nach Jerusalem keine Probleme auftreten.

Von Jerusalem aus kann man den Grenzübergang entweder mit einem palästinensichen Bus oder mit einem israelischen Egged Bus erreichen. Für das Ticket zahlt man üblicherweise 5 – 6 NIS (ca. 1,50 €). Wir haben den israelischen Bus 163 zu “Rachel’s Tomb” genommen, welches sich direkt vor der Mauer auf der israelischen Seite befindet. Dieses Grab ist angeblich heilig für alle drei monotheistischen Religionen, wovon man vor Ort jedoch nicht mehr wirklich was merkt. Menschen unterhalten sich ungehalten, lachen und diskutieren angeregt direkt vor dem Grab. Deshalb sind wir dann entlang der Mauer ein Stück zurück direkt zum Grenzübergang gelaufen.

BANKSY in Palästina

"The Walled Off" Banksy Hotel
Das Banksy Hotel in Bethlehem mit „the worst view“: direkt auf die unglaublich hohe Mauer.

Einst auf der anderen Seite haben wir alle Taxiangebote abgelehnt und uns auf den Weg zum ganz neuen “Banksy”-Hotel (WALLED OFF) gemacht. Das Hotel ist nichts für den kleinen Geldbeutel, da man hier tatsächlich in einer Art Kunstgallerie schläft. Banksy ist ein berühmter Straßenkünstler aus Großbritannien, der dieses Hotel durchgestylt hat und somit Bethlehem eine weitere Attraktion geben möchte.

Banksy Hotel
Politisch durchgestylt.

Man erreicht es innerhalb von 5 Minuten zu Fuß vom Grenzübergang: immer an der Mauer entlang. Auch wenn ihr euch keine Nacht in diesem Hotel leisten könnt, solltet ihr ihm einen Besuch abstatten. Denn ab 11 Uhr jeden Morgen können auch nicht-Hotelgäste sich in der Lobby aufhalten (und zum Beispiel einen der fancy Mocktails trinken) und das Museum besuchen. Das Museum kostet 15 NIS (ca. 4€) Eintritt und erzählt die Geschichte des Konflikts zwischen Israel und Palästina aus palästinensischer Perspektive. Ich liebe dieses Museum, da es unglaublich anschaulich aufgebaut ist und mit verschiedenen Medien und Emotionen gespielt wird.

Banksy Museum in Bethlehem
Darstellung des Israel/Palästina Konflikts im Banksy Museum

Nach Besuch des Museums (und der Gallerie im ersten Stockwerk) empfehle ich definitiv einen Spaziergang entlang der Mauer, um sich ein paar wirklich tolle Kunstwerke anzusehen. Man darf sich nicht wundern, dass viele “schönen” Bilder mit “hässlichen” Schriftzügen übermalt wurden. Allerdings soll die Mauer nicht zur “positiven” Attraktion werden, da es sich aus palästinensischer Sicht um ein Zeichen der Unterdrückung und Besatzung handelt.

Wall Art Bethlehem
Street Art in Bethlehem. Trump in Hillary 😉

Nach circa 20 Minuten hat man die Innenstadt schon fast erreicht. Die wunderschöne “Calle de Estrellas” (auch “Stars Street” genannt) führt direkt zum Manger Square. Dort gegenüber liegt dann bereits die weltberühmte Geburtskirche, 

"Calle de Estrellas" in Bethlehem
Stars Street / Calle de Estrellas in Bethlehem

welche von zahlreichen Touristengruppen angefahren wird. Der Eingang wurde zugemauert, sodass damals keine Menschen zu Pferde in die Kirche ritten. Also Kopf einziehen! Der Geburtsstern liegt unterhalb des Altarraums. Rechts ist der Eingang (an dem viele Touristen oft stundenlang warten) und links ist der Ausgang. Bist du nur alleine oder eventuell zu zweit, so machen die Aufpasser*innen eventuell eine Ausnahme und lassen euch durch den Ausgang hinein. Dennoch hat jede*r Besucher*in nicht mehr als gefühlte halbe Sekunde Zeit um den Stern anzufassen. Nach dem Hustle um den Geburtsstern, kann man sich den Rest der Kirche noch anschauen, wo es dann doch etwas ruhiger und gesitteter zugeht. Nach der Geburtskirche sollte man definitiv noch den kleinen Spaziergang zur “Milk Grotto” machen, welche direkt um die Ecke liegt. Der Sage nach soll etwas von Marias Muttermilch in die Höhle getropft sein, weshalb sich der Felsen direkt weiß verfärbt hat. Heute gilt das weiße Pulver des Felsens als absolutes Wundermittel für kinderlose Paare, die von der ganzen Welt zum Beten in diese Grotte kommen. Dankesbriefe und Bilder von den danach geborenen Kindern kann man im Büro vor der Grotte sehen. Nimm dir auf jeden Fall die Zeit und lies dir den ein oder anderen Brief durch. Man kann richtig spüren, wie sich ein großer Traum der frisch gebackenen Eltern erfüllt hat. In der “Milk Grotto” gibt es außerdem einen Raum, in der 24h eine Nonne sitzt und betet. Jeder kann ein Gebet auf ein Zettel schreiben und in eine Box werfen, welcher dann in die Gebete der Nonnen einfließt.

Milk Grotto Bethlehem
Dankesbriefe von Familien, die nach dem Besuch der Milchgrotte endlich ein Kind bekommen haben. So süß!

 Ich erwähne diesen “Betdienst”, da ich die Vorstellung wunderschön und beruhigend finde, dass irgendwo auf der Welt jemand sitzt, der den ganzen Tag lang für die Menschen und ihr Wohlergehen betet.

 

Auf dem Weg zurück Richtung Manger Square kann man noch einen Ausflug auf eine kleine Dachterrasse machen, welche genau in der Straße der “Milk Grotto” liegt. Von dort hat man einen herrlichen Blick über Bethlehem, die Türme der Kirche und der Mosche und insgesamt über die ganze Gegend.

Rooftop Bethlehem
Im Hintergrund die Geburtskirche und die Türme der Moschee.

Versuche während deiner Zeit in Jerusalem auf jeden Fall deine Kauflust etwas zurückzuhalten. Denn Souvenirs wie Schals, Ledertaschen, Tücher, Teppiche, Keramik, Gewürze oder andere Dinge lassen sich um einiges günstiger in Bethlehem shoppen! Ein wirklich sehr netter Händler ist der rothaarige Mike, der seinen Laden direkt neben dem fake “Starbucks” in Bethlehem hat. Er lädt gelegentlich zum leckeren Tee oder Kaffee ein und man kann sich total nett mit ihm unterhalten. Besonders schön haben uns die handbemalten Christbaumkugeln von ihm gefallen. Tolles Mitbringsel für die Verwandten zu Hause! Hier geht es zu seiner Facebookseite. Wer dort ist, grüßt ihn von mir! Er wird sich sicherlich an mich erinnern haha

St John Souvenir Bethlehem
Bester und nettester Souvenirhändler in Bethlehem.

Eins darf bei einer Stippvisite in Bethlehem allerdings auf keinen Fall fehlen: Essen in Afteems Restaurant! Hier gibt es die beste und frischeste Falafel. Am besten bestellt ihr ein bisschen von allem und probiert euch so durch die Speisekarte durch. Dazu eine leckere Zitrone-Minz Limonade und der Tag hat den perfekten Abschluss.

Afteems Restaurant in Bethlehem
Jaaamiiii!! Falafel, Arabischer Salat, Hummus und zwei andere Dinge mit Kichererbsen, deren Namen ich nicht mehr weiß. Aber unglaublich jammi!

In Bethlehem kommt irgendwie alles für mich zusammen. Man hat religiöse Sehenswürdigkeiten, gutes Essen, günstigere Souvenirs (und Gewürze), aber ist eben auch mit all den politischen Dingen mehr konfrontiert, als es einem in Jerusalem auffallen würde. Die hohe Mauer, die ganze Wall Art und die Soldatenwachtürme zusammen mit dem Check-Point machen einem die politische Situation sehr deutlich. Bethlehem ist trotz allem eine sichere Stadt, auch um sie auf eigene Faust zu erkunden. Von überteuerten Touren rate ich auf jeden Fall ab.

Banksy Museum
Darstellung im Banksy Museum

Was sind eure Geheimtipps für Bethlehem oder wie hat es euch dort generell gefallen? Ab damit in die Kommentare! Freut euch auf die nächsten Beiträge von Israel/Palästina, wo ich euch unter anderem von meinem Roadtrip zusammen mit meiner Mama erzähle. Hier findet ihr übrigens nochmal Tipps, was ihr in Jerusalem alles so machen könnt und wenn ihr hier klickt, dann kommt ihr zu einem Beitrag, der euch den ganzen aktuellen Trubel und Wirbel um Jerusalem erklärt. 

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