#delicious weekend

The Delicious Weekend Vol. 4

Hallo an alle!

Es ist zwar wieder Mal auf einen Montag gefallen, aber heute für euch die neuste Ausgabe von „The Delicious Weekend“. Vicky ist leider derzeit unglaublich mit Uni, Prüfungen und weihnachtlichen Dingen busy, weshalb ich meine Wartezeit am Flughafen nutze, um etwas für euch zu schreiben. Denn außer einem Rezept für süße Guacamole habt ihr diese Woche ja nicht viel von uns gehört. Aber je nachdem, wie viel Verspätung mein Flug dann tatsächlich hat, kann ich noch mehr tippen. hihi

Tatsächlich ist heute der Tag des Rückfluges. Exakt vor drei Monaten bin ich in Israel eingereist und wusste nicht wirklich, was auf mich zukommt. Nun liegt diese Zeit bereits hinter mir und ich bin immer noch damit beschäftigt, all die Gedanken und Eindrücke einzuordnen. Auch überlege ich mir bereits Anekdoten, die ich Familie und Freunden erzählen kann, die mich mit „Und, wie war`s in Israel? Erzähl doch mal!“ begrüßen werden.

Ich persönlich hasse diese Frage. Was soll ich nach drei Monaten darauf antworten? „Gut“ würde allein der langen Zeit nicht gerecht werden. Und was sagen diese drei Buchstaben auch schon aus? Und was soll ich erzählen? Wo soll ich anfangen? Von der Arbeit? Vom Essen? Von Freunden? Von der Sprache? Wahrscheinlich werde ich erzählen, wie unglaublich dumm und ungebildet ich mich bei meinem ersten Einkauf im israelischen Supermarkt gefühlt habe, als ich aufgrund der Schrift nicht mal Joghurt von Hüttenkäse unterscheiden konnte. Dann erzähle ich, dass alles außer der öffentliche Nahverkehr teurer in Israel, als in Deutschland ist. Wobei Datteln und Gewürze auch sehr günstig sind, von denen ich insgesamt ca. 4 kg im Gepäck nach Deutschland schmuggele.

Dieses Jahr habe ich acht Länder besucht (ich zähle Palästina nun einfach mal optimistisch als eigenes Land, immerhin ist das Überqueren der Grenze ziemlich real). Viel zu erzählen habe ich auf jeden Fall und tausend kleine witzige, traurige und für meine Mama garantiert auch besorgniserregende Geschichtchen. Aber mir ist ehrlich gesagt überhaupt nicht nach Geschichtenerzählen.. Ich bin traurig. Das erste Mal in diesem Jahr sitze ich am Flughafen und würde gerne hier bleiben. Nicht dass es mir woanders nicht gut gefallen hat. Ich liebte die Zeit auf Bali oder Australien. Natürlich freue ich mich auch auf meine Familie in Deutschland. Aber mir tut es richtig weh, Israel/Palästina hinter mir zu lassen. Als ich mich letzte Woche von meinem Stammdattelhändler und meinem Lieblingscafé verabschiedet habe und alle ein wenig Tränchen in den Augen hatten, noch ein Abschiedsselfie mit mir machen wollten und mir dann voller Optimismus „Wir sehen uns!“ sagten, hat mir einfach das Herz gebrochen. Ich hatten so viel Spaß hier, interessante Gespräche und wurde von diesen unglaublich lieben Menschen total herzlich aufgenommen.

Am Samstag habe ich den Film „Brooklyn“ gesehen. In diesem Film geht es darum, dass ein armes Mädchen aus Irland ihre Heimat verlässt, um in den USA ein besseres Leben zu finden. Sie hat dort einen Job, macht einen Kurs in Buchhaltung am College und findet letztendlich sogar einen netten jungen Mann, den sie heiratet. Dann stirbt allerdings ihre Schwester, ihre Mutter verfällt in eine tiefe Depression und sie fährt nach Irland für eine Zeit, um ihre Mutter zu trösten. Allerdings hat ihr ganzes Dorf dort irgendwie vor, sie dort zu behalten. Auf einmal hat sie einen vielversprechenden Job, Leute schauen auf sie und sogar ein junger Mann wirbt um sie und möchte sie heiraten. Für sie scheint, als hätte sie auf einmal all das, was sie vor ihre Reise in die USA nicht hatte und sie die ganze Zeit wollte. Das Ende verrate ich nun nicht, da ihr euch unbedingt den Film selbst anschauen sollt. Der Film handelt somit von „Heimat“ und „Zuhause“. Und er hat mich so unglaublich berührt, da ich mit diesen Begriffen und Gefühlen selbst immer aneinander stoße und sie nicht wirklich einordnen kann. Was bedeutet Heimat und was ist ein Zuhause? Gibt es überhaupt Unterschiede? Wenn ja, welche sind das? Kann man sich irgendwo so „heimisch“ fühlen, wie man sich einst als Kind in seinem Zimmer gefühlt hat, in dem man sich „Verstecke“ gesucht und Höhlen gebaut hat?

Der Abschied von Israel/Palästina fällt mir deshalb so schwer, weil ich diese Fragen ganz klar mit „Ja“ beantworten kann. Ich habe hier ein kleines Leben gelebt, wie ich es auch in Berlin oder Hessen geführt habe. Ich bin ausgegangen, habe mich mit Leuten getroffen, die mir etwas bedeuten, wurde mit zu Familienessen genommen und habe meine kleinen „Geheimecken“ gefunden. Ich weiß, dass ich vermisst werde, was im Vergleich zu der Backpackingtour durch Australien natürlich anders war.

Nun sitze ich also am Airport in Ovda. Einem kleinen Miniairport, mit unfreundlichem Securitypersonal und überteuertem Kaffee und denke darüber nach, was ich meiner Mama erzähle, die mich irgendwann heute Nacht vom Bahnhof abholen wird. Am liebsten würde ich heulen und würde ihr sagen, wie schwer mir der Abschied gefallen ist und ich am liebsten direkt zurückfliegen würde. Aber das würde ihr nicht gerecht werden und wäre unfair, immerhin habe ich meine Familie selbst ewig nicht mehr gesehen. Und es ist eben meine „Heimat“. Der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Dorthin zurückzugehen sollte sich nicht wie eine Last anfühlen, nur weil ich lieber an einem anderen Ort wäre, in den ich mich erst kürzlich verliebt hat.

Auf der anderen Seite, will ich meine intensive Affäre mit Jerusalem auch nicht so einfach „abhaken“…

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