Fragmente aus dem Reisetagebuch · Health

Wenn der Januar klatscht.

Nach einer Winterpause, die ich weder geplant noch zeitlich eingerahmt hatte, habe ich heute überraschenderweise den Kopf frei, um mal wieder ein paar Zeilen zu tippen.

Ich sitze in meinem eigenen Zimmer in Berlin, welches ich vor 11 Monaten zur Untermiete frei gemacht habe. Hatte ich mich gerade erst daran gewöhnt 2017 zu schreiben, so muss die 7 nun für eine 8 Platz machen und ich kann kaum glauben, wie schnell das letzte Jahr verflogen ist.

Am Flughafen wartete mein „richtiges Leben“, welches mich mit zahllosen unbeantworteten Briefen, einer Mahnung vom Finanzamt, GEZ Gebühren und Prüfungsterminen in einem riesigen Präsentkorb empfing, der noch weitere mehr oder weniger angenehmen Überraschungen für mich parat hielt, die ich jedoch erst nach und nach auspacken durfte.  Noch mit dem Geschmack süßer Datteln im Mund und kleinen Wortfindungsstörungen in meiner eigenen Muttersprache stand zunächst der Weihnachtsstress vor der Tür, der sich dann relativ schnell auch wieder legte, womit der viel größere Brocken bereits auf mich wartete: Der Monat Januar.

Ich hatte bereits im November angefangen, mir To-Do Listen zu schreiben, um bloß nichts zu vergessen. Ich wollte mich für einen Master bewerben, musste mit den wichtigsten Sachen wieder nach Berlin zurück ziehen, wo ich zuerst bei einer Freundin unterkam, bevor ich nun Anfang Februar (geplant war zunächst März) in meine eigene Wohnung zurück konnte. Dazwischen zog meine Mitbewohnerin aus und ich musste jemand neuen finden, Klausuren vorbereiten, wieder meinen Dienst in der Uni antreten, in Sachen Sport/Ernährung durchstarten, Umzug, Steuererklärung berichtigen, tausend Mails und Briefe beantworten, einen neuen Handyvertrag und sich bei dem ganzen Mist auf seine Freund*innen und vor allem auf sich selbst zu konzentrieren: es war verrückt.

Ich hatte ständig das Gefühl etwas zu vergessen oder irgendwo etwas nicht fertig gemacht zu haben. Als sei jede abgearbeitete Aufgabe irgendwie unvollständig. Ich schaltete morgens die Autopilotin an und rauschte durch den Tag.

Das erste Mal „zur Ruhe“ kam ich erst letztes Wochenende, an dem ich zurück in meine WG zog. Ich hatte mir ein paar Projekte vorgenommen, mit denen ich mein Zimmer renovieren wollte. Zwei Tage hörte ich einfach nur von morgens bis abends Musik, Podcasts, war für mich alleine und werkelte in meinem Zimmer herum: Wände wieder weiß streichen, Fensterläden abschleifen und lackieren, Kisten abschleifen und einen schönen Lack drauf, ein Gewürzregal bauen und andere Kleinigkeiten. Es war super meditativ und ich hatte Gelegenheit, über meine Vorsätze (ja, ich hatte tatsächlich Vorsätze zu Anfang des Jahres) zu reflektieren.

Eingehalten habe ich sie alle. Ich hatte was Sport, Ernährung, Uni und privat anging, wirklich 100% gegeben. Keine Ausreden, keine Faulheiten und kein aus der Reihe tanzen. Aber wie fühlte ich mich dabei? Ich fühlte mich abgehetzt. Ich vermisste ein wenig die Tage, an denen ich spontan etwas tun konnte. Jetzt trage ich täglich meinen Terminplaner mit mir herum und selbst, wenn sich jemand mit mir in der Uni auf einen Kaffee treffen möchte, muss ich dort vorher reinschauen, da ich sonst eventuell irgendein Lerngruppentreffen verpassen würde oder sonstiges.

Ich rede mir immer ein, dass es „eben so ist“ und das auch „bald wieder aufhört“. Aber sind wir mal ehrlich: solch ein Stress hört nicht auf, solange keine aktive Entscheidung gegen ihn getroffen wird. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, ob gerade Überholspur oder die rechte Spur angesagt ist. Im letzten Jahr war ich ohne Zweifel viel auf der Überholspur unterwegs und ich habe mir für dieses Jahr auch in allen Bereichen wieder ambitionierte Ziele gesetzt. Allerdings ist es gerade jetzt an der Zeit, einen Gang herunter zu schalten und vielleicht nicht das krasseste Trainingsprogramm ever durchzuziehen, wenn ich die Uni und das „Wiederankommen“ in Berlin in den Fokus setzen möchte.

Meine Vorsätze habe ich mittlerweile angepasst, den Terminplaner trage ich noch immer mit mir herum. Vielleicht lasse ich den mal nach den Klausuren in zwei Wochen Zuhause? Dann lege ich mich auch einfach nur im Dunkeln auf mein Bett, höre mein mein Lieblingsset auf Soundcloud, schließe die Augen und lasse den Bass meine Seele massieren.

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