Fragmente aus dem Reisetagebuch · Südwestasien

Roadtrip durch Israel/Palästina

Hier ein weiterer Ausschnitt von dem Besuch meiner Mama in Jerusalem und was wir gemeinsam so unternommen haben. 🙂

Nachdem meine Mutter und ich die ersten drei Tage aufgrund meiner Arbeit in Jerusalem verbrachten, ging es danach mit einem Mietwagen los in die West Bank. Der Besuch der “Palmenstadt” Jericho und des Toten Meeres standen auf dem Plan.

Jericho nennt sich selbst gerne die älteste Stadt der Welt. Ob das so stimmt oder nicht, kann bisher nicht bestätigt werden. Einige Reste von 2000 Jahre alten Stadtmauern wurden jedoch identifiziert und verschiedene Ausgrabungen belegen weiterhin, dass Jericho in seiner Geschichte oftmals zu einer Ruine verfallen war und wieder aufgebaut wurde. Einen eindeutigen Titel im Buch der Weltrekorde konnte Jericho dennoch holen: Mit 250m unter dem Meeresspiegel ist Jericho nämlich die am tiefsten gelegene Stadt der Welt. Ziemlich fancy!

Hisham's Palace in Jericho
Blöde Datumsanzeige vergessen auszuschalten. Aber im Hintergrund sind die beeindruckenden Ruinen von Hisham’s Palace zu sehen.

Von Jerusalem aus braucht man mit dem Auto ca. 30 Minuten. Es ist alles problemlos über eine Transitstraße zu erreichen und man wird nicht zwanghaft nach dem Pass gefragt. Auf dem Hinweg haben wir eine kleine Abkürzung über eine weniger befahrene Straße nach Jericho genommen. Sie hat uns durch die staubige Steinwüste geführt und war stellenweise auch nicht wirklich befestigt. Allerdings konnten wir so das “St. Georges Kloster” (Mar Jaris) von der anderen Seite des Canyons sehen. Das Kloster ist in die felsigen Überhänge geschlagen und liegt direkt an einer Oase, wodurch es sich selbst mit Wasser versorgen kann. Das Kloster ist ein beliebtes Ziel für Wanderungen von Jericho aus.

Felsenkloster
Wie in Stein gemeißelt…

In Jericho angekommen fuhren wir direkt durch die Innenstadt. Es war sofort ein anderes Flair zu spüren: weniger Touristen, viele Bananenwagen und vor allem war es im Gegensatz zu Jerusalem sonnig und warm. Einfach unglaublich, dass man innerhalb von 30 Autominuten einem nach dickem Schal und Regenschirm rufendem Wetter entkommen und sich im T-Shirt sogar einen kleinen Sonnenbrand holen kann.

Als erstes besuchten wir Hisham’s Palace, ein Stückchen außerhalb des Stadtkerns. Der ehemalige Palast diente als Überwinterungsstätte eines Kaliphen und wurde im achten Jahrhundert n. Chr. durch ein Erdbeben zerstört. Heute wurden jedoch große Teile des Palastes freigelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein paar Infotafeln erzählen, was man dort sieht und ein Modell, in das man seinen Kopf reinstecken kann, zeigt, wie der Palast ursprünglich mal aussah. In den ursprünglichen Hamams (Badezimmer) der Ruinen fanden Archäologen übrigens den größten Mosaikteppich der Welt. Allerdings konnten wir ihn nicht live sehen, da er nur bedingt der Öffentlichkeit zugänglich ist, um ihn vor der Sonne zu schützen.

Mosaik-Teppich
Etwas eingestaubter Mosaik-Teppich 😉

Nach der Besichtigung der Ruinen fuhren wir zurück ins Zentrum. Wir wollten ein wenig herumlaufen und hatten Lust auf einen leckeren arabischen Kaffee. Zuerst wurden wir von einem Dattelhändler angesprochen, der uns direkt unglaublich viele seiner zuckersüßen Palmenfrüchten zum Probieren gab. Wir entschieden uns letztendlich ein paar Datteln zu kaufen und er gab uns noch eine große handvoll extra dazu. Typisch palästinensisch. Ich glaube, ich habe auf einem Markt noch nie nicht etwas zusätzlich geschenkt bekommen. Egal ob ich Tomaten, Orangen, Datteln oder Zimt gekauft habe.

Dattelstand in Jericho
Frische Datteln, getrocknet, gesüßt und anderes fancy Aroma. Leeeecker

Touristen fällt es leicht, sich in Jericho wohlzufühlen. Alle sprechen zumindest so viel Englisch, dass man überlebt und es gibt einige Cafés oder kleine Straßenrestaurants direkt im Zentrum. Wir hatten allerdings nicht so Lust auf ein typisches Touristencafé und liefen in eine Seitenstraße rein. Meine Mutter sagte nur “Mach nur Lavinia, du hast bei sowas immer ein gutes Gespür.” Gesagt, getan. Ich las auf einer Tür den arabischen Schriftzug für “Kaffee”. Wir waren uns nicht sicher, ob dort jemals schon mal Touristen einen Kaffee bestellt haben, aber wir setzten uns einfach in ein paar Plastikstühle und bekamen auch ruck zuck unseren Kardamomkaffee im Pappbecher. Die Einheimischen beobachteten uns mit einer ebenso großen Neugierde, wie wir sie.

Wir fanden heraus, dass sich ein paar Jungs mit ihren Elektrobikes anscheinend ein bisschen ihr Taschengeld durch Kaffeelieferungen aufbesserten.

Kaffee auf zwei Rädern
Kaffeetabletts zum Anhängen ans Fahrrad.

Dafür gab es sogar richtige Transporttabletts, mit denen sie die Kaffees auf ihrem Fahrrad irgendwohin bringen könnten. Sowas bräuchte ich dringend auch für Zuhause! Besonders, wenn man im eiskalten Berlin auf den bereits dreimal ausgefallenen Bus irgendwo im tiefsten Pankow warten muss. JAMI!

Unser dortiges Kaffeehighlight war aber definitiv das “Salatauto”. Ein normales Auto, vollgepackt mit ungesichertem Salat fuhr an uns vorbei, einer stieg aus und drückte einem anderen zwei Salatköpfe in die Hand. Er stieg wieder ein und fuhr weiter. Meine Mama und ich schauten uns nur total erstaunt an und ich schaltete ein Glück schnell genug, um ein Foto zu schießen.

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Why not? Salattransporte auf dem Dach.

 Diese kleinen Anekdoten mögen nun nicht die aufregendsten Reisegeschichten ever sein, allerdings zeigen sie, was man erleben kann, wenn man sich einfach mal Abseits vom Mainstream bewegt. Man sieht, wie das “wahre” Leben dort funktioniert und wie die Einheimischen ticken.

Nach unserem Kaffee bummelten wir gemütlich zurück zum Auto und fuhren Richtung Totes Meer. Es gibt dort verschiedene Strandbäder, die Umkleiden, Duschen, Bars und anderen Firlefanz anbieten. Im Norden waren nun drei Strände in unmittelbarer Nähe, die sich vom Preis teilweise sehr stark unterschieden. Wir waren letztendlich am “Kalia Beach” und zahlten 59 NIS (ca. 15€) pro Person an Eintritt. Wildbaden ist letztendlich nicht verboten, allerdings möchte ich an dieser Stelle davon ausdrücklich abraten! Das Wasser des Toten Meeres hat einen Salzgehalt von 30%. Bereits ein Schluck dieses Salzwassers kann lebensbedrohlich sein. Jede noch so kleine Wunder brennt wie Feuer auf der Haut. Somit ist es unglaublich wichtig, dass man sich irgendwo aufhält, wo zum einen Rettungsschwimmer und Sanitäter zur Verfügung stehen und zum anderen Süßwasserduschen vorhanden sind, um die Sole vom Körper zu waschen. Das Baden im Toten Meer ist sogar so gefährlich, dass man dort nur auf dem Rücken “schwimmen” darf.

Durch den hohen Salzgehalt treibt man wie eine Luftmatratze auf dem Wasser. Schwerelos liegt man dort und kann sogar `ne Zeitung dabei lesen. 😉 Auf jeden Fall eine super Erfahrung, da man irgendwann selbst bei geringer Wassertiefe nicht mehr stehen kann: man treibt nach oben!

Zeitung lesen im Toten Meer
Zeitung lesen im Toten Meer. Jordanische Berge im Hintergrund. So ein schönes Setting!

Wir haben das Tote Meer am Nachmittag besucht, wodurch wir außerdem unglaublich tolle Lichtverhältnisse später hatten. Das Licht hat sich gebrochen, der Himmel war rosa, das Meer war rosa. Man konnte ohne diesigen Nebel bis an das jordanische Ufer gucken und so die gesamte Landschaft einfach in sich aufsaugen. Es war so toll, dass wir einen Teil rückwärts zurück zum Auto gelaufen sind, um länger dieses schöne Fleckchen Erde anzuhimmeln.

Wir fuhren nun auf der Hauptstraße, ohne Abkürzungen und Schotterwege, zurück nach Jerusalem. Wir konnten noch die Sonnenstrahlen vom Mittag auf der Haut spüren und Mama hatte sogar ganz rote Bäckchen, als wir dann beim Aussteigen den Kälteschock unseres Lebens bekamen. Meine Wohnung ist leider auch nicht wärmer gewesen; ist nicht so mit Zentralheizung hier…

Willst du auch unbedingt mal im toten Meer baden gehen? Oder warst du schon dort und hast ein paar tolle Tipps? Ab damit in die Kommentare!

 

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