Die Welt der Bücher

„Oh, Simone!“ – Buchrezension

Die Bloggerin und Autorin Julia Korbik veröffentlichte im Dezember 2017 ihr Buch mit dem Titel „Oh, Simone! – Warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten“ . In diesem als Sachbuch angelegten Schriftstück erzählt Korbik aus dem Leben Simone de Beauvoirs, wie sie als junge Erwachsene aus ihrer Klasse ausgebrochen ist und ein für jeneZeit ganz untypisches Leben als freie, junge Intellektuelle führte. Mit ihren Romanen und scharfen gesellschaftskritischen Analysen wurde sie zu einer der berühmtesten Französinnen im 20. Jahrhundert, die ihrem geliebten Jean-Paul Sartre, der insbesondere durch seine Philosophie zum Existentialismus bekannt wurde, in nichts nachstand.

Die Entscheidung zum Kauf

Es war Anfang März diesen Jahres: der internationale Frauentag und zahlreiche auf Frauenthemen bezogene Veranstaltungen, sowie Demonstrationen standen an. Als junge Feministin platzte mein Kalender in dieser Woche, da ich an so vielen Workshops und Themenabenden wie möglich teilnehmen wollte. Dann hat mich eine Erkältung erwischt, aus der eine ekelhafte Mandelentzündung wurde, die mich letztendlich fast vier Wochen außer Gefecht setzte.

Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“, in dem sie die Grundideen der heutigen Gender Studies entwarf, stand schon längere Zeit in meinem Buchregal und wartete darauf, endlich von mir gelesen zu werden. Unangetastet wartete es dort geduldig, dass ich mich endlich damit beschäftigte… Ich wollte mir noch ein wenig Lesestoff für die kranken Tage Zuhause besorgen und entdeckte in der Buchhandlung meines Vertrauens idas Buch von Julia Korbik. Der Text auf dem Buchrücken las sich witzig, war leicht runterzulesen und wirkte in keinster Weise wie eine „klassische Biographie“, in der Punkt für Punkt jeder nichtige Punkt beschrieben wird.

Mit der Frage im Titel „…warum wir Beauvoir wiederentdecken sollten“ und der Tatsache, dass ich eines von Beauvoirs Werken selbst ungelesen im Schrank verstauben ließ, war die Entscheidung zum Kauf gefallen.

Inhaltsverzeichnis "Oh, Simone"
Übersichtlich strukturiert und organisiert.

Was kommt vor?

Wie erwähnt ist „Oh, Simone!“ keine klassische Biographie, in der chronologisch über das Leben und Wirken einer Person berichtet wird. Julia Korbik teilt Simone de Beauvoirs Leben in Sinnabschnitte wie „Werden, Lieben, Denken, Schreiben, Handeln, Kämpfen.“ ein, in denen sie dann themenbezogen erzählt.

Die Kapitel sind sinnvoll strukturiert, beginnend mit einer kleinen Chronologie passend zum Titel und  vielen kleinen Zwischeninformationen zu verschiedenen Schriftsteller*innen, die Simone beeinflusst haben oder auch witzige Fun-Facts über sie selbst.

Durch die genannte Aufteilung bekommen die Lesenden zuerst einen groben Überblick über die Person Beauvoir, bevor es tiefer in die Materie hinein geht. Um Simones Werken und Wirken zu verstehen, ist ihre Herkunft und der gesamte Kontext elementar. Schritt für Schritt führt Korbik die Leser*innen durch Simones Leben, von ihrer Kindheit bis zu der offenen Partnerschaft zum berühmten französischen Philosophen Jean-Paul Sartre. Zusammen begründeten sie die philosophische Strömung des Existentialismus, deren Label beide nicht mehr ablegen konnten. In den letzten beiden Kapiteln „Schreiben“ und „Handeln“ stellt die Autorin Simones Werke ausführlicher vor. Sie geht dabei nicht nur auf ihr großes Werk „das andere Geschlecht“ ein, sondern auch auf Simones zahlreiche Romane. Abschließend beschreibt Korbik noch Beauvoirs Engagement für und in feministischen Gruppierungen, abseits ihres literarischen Engagements.

Warum auch du dieses Buch unbedingt lesen solltest:

Diese Frage ist ja gewissermaßen bereits im Titel enthalten. Durch die Lektüre dieses Buches wird auf jeden Fall klar, welch herausragende Person Simone de Beauvoir ihrer Zeit gewesen war. Nicht nur, dass sie sich selbst aus ihrer eigenen Klasse befreit und sich gegen ihre konservative Mutter durchgesetzt hatte: Sie widersetzte sich sämtlichen Systemzwängen und vorherrschenden Frauenbildern und tat stets das, wonach ihr der Sinn stand. Angefangen bei der lockeren Beziehung zu Sartre, dem auffällig zielstrebigen Bildungsweg, ihrer Ambition zum Schreiben, ihr Engagement für Frauen (viele ihrer Schülerinnen unterstützte sie unter anderem finanziell) und nicht zuletzt ihre Interpretation von Freiheit, von der sich (vor allem heute!) jede*r etwas abschneiden kann: Niemand ist zu etwas gezwungen, jede*r entscheidet selbst, welches Leben er*sie führen möchte.

Der (Post)strukturalismus löste den Existentialismus relativ schnell ab und Personen wie Foucault und Derrida wurden mit ihren Theorien zu philosophischen Popstars. Dennoch hat der Existentialismus die Philosophiegeschichte geprägt. Simone hat ihn außerdem in ihren Ansprüchen an sich selbst und ihrer Lebensweise kontinuierlich umgesetzt, was jede ihrer Stationen verdeutlicht.

Schaut man in die Kunst-, Musik-, Literatur-, Philosophiegeschichte (oder welche Geschichte auch immer), so wird kaum auf weibliche Protagonistinnen Bezug genommen. Dies liegt jedoch sicher nicht daran, dass es sie nicht gab. Frauen wurde hinsichtlich ihrer Schöpfungskraft von „geistlichen/kulturellen Gütern“ nicht ernst genommen. Selbst Simone de Beauvoir steht bislang noch immer im Schatten ihres Partners Jean-Paul Sartre, aus dem sie sich selbst nicht mehr befreien kann: Das ist nun unsere gesellschaftliche Aufgabe. Generell ist es unsere Aufgabe, all die großartigen Frauen aus vergangener Zeit aufleben zu lassen und in die Geschichte mit einzuarbeiten. 

Die junge Autorin Julia Korbik hat mit ihrem Werk „Oh, Simone!“ genau zu dieser Mammutaufgabe einen wichtigen Beitrag geleistet. Korbik macht Simone wieder sichtbar, zeigt welchen Einfluss ihr Schaffen auf heutige Theorien oder Studien hatte und verschafft ihr so einen angemessenen Platz in der Geschichte großartiger Denker*innen.

Oh, Simone - Buchrezension
Simones Turban war ihr Markenzeichen.

Sie plaudert aus dem Nähkästchen, als sei sie selbst Simones beste Freundin gewesen und hätte jede ihrer Lebensstationen miterlebt. Jede Zeile strotzt vor Bewunderung und inspiriert die Lesenden, sich direkt einen von Simones Romanen zu besorgen und darin zu schmökern. Korbiks Schreibstil ist witzig, erfrischend und super abwechslungsreich, wodurch Simone de Beauvoir genau als die moderne, sowie interessante Person rüberkommt, die sie war.

Das Buch ist einfach perfekt geeignet, um einen leichten Einstieg in die Person Beauvoirs zu bekommen, einen Zugang zu ihren Werken zu finden und kann easy in der Bahn herunter gelesen werden. Lass dich in eine Zeit entführen, die allein historisch schon super spannend ist! Lass dich von Julia Korbik durch Simone de Beauvoirs Leben führen und für sie begeistern!

Wer nun ein wenig Lust bekommen hat, sich eeeetwas reinzulesen, dem kann ich Julia Korbiks Blog empfehlen (klick), der sich einzig und allein um Simone de Beauvoir dreht. Falls du nun richtig Lust direkt auf das Buch bekommen hast, dann gibt es dieses *) hier für 12,99 € als Taschenbuch oder für einen knappen 10er direkt aufs Kindle.

Hast du „Oh, Simone!“ selbst schon gelesen und möchtest etwas dazu loswerden? Dann ab damit in die Kommentare. Sag mir deine Meinung!

*) Beitrag enthält Affiliate-Links. Für Dich entstehen keine Mehrkosten.

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